Herbst Ich hielt ihn für ein welkes Blatt im Aufwind Dann auf der Hand: ein gelber Schmetterling Es wird nicht länger dauern als ein Blatt das fallen muß in diesem großen Herbst (und ich nicht länger als ein gelber Falter in deiner Liebe großer Flut un Ebbe) und flattert doch und streichelt meine Hand auf der er sich bewegt und weiß es nicht Erich Fried (1921-1988) Antwort Zu den Steinen hat einer gesagt: seid menschlich Die Steine haben gesagt: Wir sind noch nicht hart genug Erich Fried (1921-1988) Gründe "Weil das alles nichts hilft sie tun ja doch was sie wollen Weil ich mir nicht nochmals die Finger verbrennen will Weil man nur lachen wird: Auf dich haben sie gewartet Und warum immer ich? Keiner wird es mir danken Weil da niemand mehr durchsieht sondern höchstens noch mehr kaputtgeht Weil jedes Schlechte vielleicht auch sein Gutes hat Weil es Sache des Standpunktes ist und überhaupt wem soll man glauben? Weil auch bei den andern nur mit Wasser gekocht wird Weil ich das lieber Berufeneren überlasse Weil man nie weiß wie einem das schaden kann Weil sich die Mühe nicht lohnt weil sie alle das gar nicht wert sind" Das sind Todesursachen zu schreiben auf unsere Gräber die nicht mehr gegraben werden wenn das die Ursachen sind Erich Fried (1921-1988) Abschied von Wien (1938) Ich seh vor mir noch immer Die nackten, leeren Zimmer. Hier war ich sonst zu Haus. Jetzt war es aus. Ich seh verkratzte Stellen Am Boden bei den Schwellen, Wo man die Moebel schob, Eh' man sie hob. Als man sie fortgetragen In diesen letzten Tagen. Wo sonst der Spiegel stand War an der Wand. Ein heller Fleck zu sehen. Das Bild wird nie vergehen, Hart, wie es vor mir lag Am letzten Tag. Erich Fried (geb. Wien 6. Mai 1921, gest. 1988 in London)