Im Walde Hier an der Bergeshalde verstummet ganz der Wind; die Zweige hängen nieder, darunter sitzt das Kind. Sie sitzt im Thymiane, sie sitzt in lauter Duft; die blauen Fliegen summen und blitzen durch die Luft. Es steht der Wald so schweigend, sie schaut so klug darein; um ihre braunen Locken hinfließt der Sonnenschein. Der Kuckuck lacht von ferne, es geht mir durch den Sinn: Sie hat die goldnen Augen der Waldeskönigin. Theodor Storm Herbst Schon ins Land der Pyramiden Flohn die Störche übers Meer; Schwalbenflug ist längst geschieden, Auch die Lerche singt nicht mehr. Seufzend in geheimer Klage Streift der Wind das letzte Grün; Und die süßen Sommertage, Ach, sie sind dahin, dahin! Nebel hat den Wald verschlungen, Der dein stillstes Glück gesehn; Ganz in Duft und Dämmerungen Will die schöne Welt vergehn. Nur noch einmal bricht die Sonne Unaufhaltsam durch den Duft, Und ein Strahl der alten Wonne Rieselt über Tal und Kluft. Und es leuchten Wald und Heide, Daß man sicher glauben mag, Hinter allem Winterleide Lieg' ein ferner Frühlingstag. Theodor Storm